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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Kurt Wettengl (Hg.): Georg Flegel 1566-1638 - StillebenVerlag Gerd Hatje, Stuttgart 1999, 304 S., 184 Abb., davon 109 farbig,
Wie der ebenfalls hier angezeigte Band "Goethe und die Kunst" ist auch dies die erweiterte Neuauflage des Katalogs einer Frankfurter Ausstellung; sie präsentierte 1993/94 erstmals monographisch das Werk des Malers Georg Flegel, der sich als erster in Deutschland auf Stilleben als eigenständige Gattung spezialisierte. Das kunstvolle Arrangement unbelebter Gegenstände war bis ins 16. Jahrhundert hinein immer Bestandteil eines größeren Bildzusammenhangs gewesen, etwa von Abendmahlsdarstellungen oder Porträts. Erst um 1600 wurde es zum eigenständigen Sujet. Entwickelt wurde das neue Thema in den Niederlanden, und auch für den in Frankfurt am Main tätigen Georg Flegel waren Einflüsse von dort maßgebend. Er begann - in einer für die Zeit typischen Arbeitsteilung - mit dem Einfügen von Blumensträußen oder Obstarrangements in die Marktszenen und Porträts der nach Hessen emigrierten Malerfamilie van Valckenborch, bevor er insbesondere mit seinen "gedeckten Tischen" eigene Wege beschritt. Flegel forcierte die Entwicklung des Stillebens von der möglichst üppigen Anhäufung hin zur Auswahl einiger weniger, dafür aber exquisiter und virtuos angeordneter Gegenstände - ein Kennzeichen für die Verfeinerung der Lebenskultur in der bürgerlichen und adligen Oberschicht, Flegels Kunden. Deutlich wird auch die zeittypische Zwiespältigkeit der Darstellungen: Einerseits bedienen die appetitanregenden Früchte, die schönen Blumen und die kostbaren Gläser ungehemmt die Schaulust, andererseits enthalten die Bilder fast immer einen symbolischen, oft moralisierenden Hintergedanken. So weisen etwa eine Maus, eine brennende Kerze oder Faulstellen an den Früchten auf Verfall und die Vergänglichkeit irdischer Freuden hin. Während einige Beiträge dieses Bandes sich in Künstler-Namedropping und drögen Zuschreibungsfragen ergehen, machen andere durch das Aufzeigen der genannten kulturhistorischen Zusammenhänge an einem bisher wenig erforschten Beispiel das Buch interessant. Wunderschön in Auswahl und Reproduktionsqualität ist die Bildausstattung, besonders reizvoll die zum Teil erstmals veröffentlichten Pflanzenstudien in Aquarell, die die damals fließenden Grenzen zwischen naturwissenschaftlichem und künstlerischem Interesse dokumentieren (man denke nur an Maria Sibylla Merian!). Insgesamt ein schönes Buch! Jakob Michelsen
Die Besprechung erschien am 27. Mai 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |