Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Pit Umber: Verfahren

Quer Verlag, 252 Seiten, gebunden, DM 29.80
ISBN-Nr.: 3-89656-034-4

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

darf eine Tunte lesbische Krimis rezensieren? Ich glaube ja, denn es geht um die Qualität eines Krimis und nicht um den lesbischen Anteil daran.

Zur Story:
Morde an der Nidda in Frankfurt am Main. Gutsituierte Geschäftsmännern wird fachgerecht die Mannespracht durchtrennt und in den Mund gestopft. Sascha Falkenheim, Taxifahrerin aus Passion gerät auf die Spur dieser grausamen Mord, und ohne es zu wollen, pfuscht sie in die Ermittlungen der lesbischen Kommissarin Burkhardt. Als Sascha eine psychisch Kranke zu ihrer wöchentlichen Behandlung in die Klinik fahren muß, beginnt sich ihr Leben drastisch zu ändern.

Pit Umber hat es sich mit ihrem ersten Krimi nicht ganz leicht gemacht und so kommt er auch etwas sehr einfach konstruiert daher: Die Hauptdarstellerinnen sind nicht wirklich ausgearbeitet und bleiben etwas flach: Die Taxifahrerin Sascha kann nur flapsig-zickig agieren, die Kommissarin ist angenehm selbstsicher und souverän aber zu ungenau gezeichnet, ganz katastrophal wird es in den Nebenrollen, wie der Nachhilfeschülerin und ihrem Coming-Out: Kein Mensch ist so naiv. Und wenn sie nach ihrer ersten Nacht zu Sascha, ihrer Bettpartnerin "Geliebte" sagt, wird es doch ein bißchen peinlich. Die Rolle der Chefin von Sascha ist gar nicht mehr ausgearbeitet.

Ähnliche Mankos machen sich in der Konstruktion des Krimis bemerkbar: Es gibt keine Alternativen zur Täterin. Die einzige Person, die es sein kann, ist es auch, so entsteht leider keine Spannung. Die aufgeführte Finte ist so weit weg, daß sie selbst die Autorin nicht ernst nimmt.

Männer sind Schweine und besonders in diesem Krimi. Alle Männer sind entweder bescheuert, überaggressiv oder mental retardiert, eine schwarzweiß Malerei, die nicht interessant ist.

Ja, schade, schade, denn in einigen Parts ist dieser Krimi doch wirklich gut: Pit Umber beschreibt aus ihren eigenen Taxifahrerinnen-Kentnissen heraus Frankfurt sehr gut, hat einen Blick für Details und soziale Milieus. An sich ist dieser Krimi eine gute Vorlage, die frau besser hätte ausarbeiten können. Denn das Pit Umber schreiben kann hat sie ja schon in ihrem ersten Buch "Eine Liebe in Ostpreußen" bewiesen. Ich jedenfalls warte gespannt auf den nächsten Krimi aus dem Hause Umber und bin mir sicher, daß der nächste dann wirklich brilliant wird.

Didine van der Platenvlotbrug

Umber, Pit: Verfahren
Quer Verlag 1999, 252 S.
ISBN 3-89656-034-4, DM 29,80

Die Besprechung erschien am 27. Mai 1999

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