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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
W. G. Sebald: Logis in einem LandhausHanser Verlag, 192 Seiten,50 Schwarzweiß-Photos und fünf Farbtafeln, gebunden, DM 34.00, ISBN.: 3-446-19503-3 Geneigte Leserin, geneigter Leser,W.G. Sebald ist ein Name, den Sie sich merken sollten, denn selten habe ich einen Autoren gelesen, dessen Sprache mich durch Anschaulichkeit, Schönheit und Kraft so in den Bann gezogen hat wie er. Sein Erzählstil besticht durch Muße, durch Ruhe und durch die Kunst der Fokussierung. Und besonders diese Fähigkeit des Auswählens kommt ihm in diesem Buch zugute. Er zeichnet die Portraits alemannischer Dichter des letzten Jahrhunderts. Und da begegnen wir Gottfried Keller, Robert Walser, Eduard Mörike und anderen, alle fast schon tragische Figuren, die knapp oder ganz am Leben scheitern. Um sie zu skizzieren, erzählt uns W.G. Sebald aus dem Leben der jeweiligen Dichter und betrachtet hier einen Raum in einem Gasthof, in dem Rousseau haltmachte, beschreibt Mörike über die verkritzelte Schreibtischunterlage oder kommt ihm über ein Gemälde nahe. Diese kleinen Facetten werden auf das genaueste beschrieben, mit einer solchen Phantasie gefüllt, daß die Dichter uns nahe kommen, näher als in den meisten Biographien. Eine Kunst, die in der tiefen Zuneigung des Autors für die Dichter wurzelt, ohne diese starke Verbindung, wären diese einfühlsamen Portraits nie entstanden. Ganz nebenbei lernen wir wieder Dichter kennen, die uns fast schon entrückt waren: die melancholischen Helden des letzten Jahrhunderts. Darüber hinaus ist dieses Buch äußerst bibliophil ausgestattet. Die fünf Farbtafeln mit zeitgenössischer Malerei bezaubern, und auch die kleinen fast schon verspielten Photos machen dieses Buch zu einem der schönsten dieses Jahres. Es ist höchst geschenktauglich, aber bitte kaufen Sie es gleich zweimal, denn einmal werden Sie es selbst behalten wollen... Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 30. Januar 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |