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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Annemarie Schwarzenbach: Freunde um BernhardLenos Verlag, 198 Seiten, DM 18.00,mit einem Nachwort von Michael Töteberg ISBN.: 3-85787-648-4 Geneigte Leserin, geneigter Leser,die Schweizerin Annemarie Schwarzenbach starb 1942 viel zu früh, erst 31-jährig. Sie arbeitete als Journalistin, Photographin und Schriftstellerin. Sie war lesbisch, und dies schlägt sich natürlich in ihren Werken nieder. Sie wirkt auf diversen Photos hocherotisch-androgyn und besticht mit einer ausstrahlenden Kraft und einem Elan, der auch auf den Photos deutlich wird. Ihr erstes Romanwerk ist dieses Buch und, abgesehen von den kleinen Schnitzern, die einem jeden passieren, der anfängt zu schreiben, hat Annemarie Schwarzenbach einen beunruhigend genauen und großartigen Roman geschrieben. Die Handlung ist nicht wirklich wichtig, da wird von einer Jugendclique geschrieben, deren Mittelpunkt eine Frau, Ines, und ihr Freund Gert bilden. Enger jugendlicher Freund ist Bernhard, der sich auf mütterliche Weise zu Ines hingezogen fühlt, zu Gert aber durchaus tiefere Empfindungen hegt. Wir verfolgen die Wirren des Lebens besonders bei diesen drei Personen: Trennung, Verlieben, Homosexualität, Scheitern, Adoleszenz, Sehnsucht, Selbstfindung. Dies alles ist noch nicht wirklich aufsehenerregend. Was aber diese Schriftstellerin so besonders macht, ist ihr überraschend naher und authentischer Blick auf die Jugend ihrer Zeit. Noch eben erinnern wir uns, in der aufgeregten Diskussion um die Jugend in den Neunzigern Schlagworte wie "Generation X" oder "Slackers" gehört zu haben. Nun halten wir dieses kleine Buch in der Hand und merken: Scheitern, Adoleszenz, Selbstfindung sind bei Jugendlichen immer schon das Thema gewesen. Nichts ist offensichtlich schwerer als das Erwachsenwerden. Wunderschön dezent und doch immer eindeutig beschreibt die Autorin die sexuellen Variationen des Lebens, von der homosexuellen Liebe über die Beziehung zu dritt bis zur selbstzerstörerischen Abhängigkeit eines Menschen zu einem anderen. Dies ist ein bewundernswert ehrliches, zartes und verzaubertes Buch, voller Knaben und Jünglinge, starker Frauen und zarter Mädchen, und immer verspüren wir in jeder Figur einen Hauch der Autorin selbst. Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 30. Januar 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |