|
Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Sabine Schulze (Hg.): Goethe und die KunstVerlag Gerd Hatje, 1999, 644 S., 606 Abb. (davon 395 farbig),
Das Goethe-Jahr kommt in Gang, und in der unvermeidlichen Publikationsfülle rund um den Dichterfürsten verdient dieses Buch Beachtung, auch wenn es eigentlich nicht neu ist. Es handelt sich um die Neuauflage eines Ausstellungskatalogs der Frankfurter Schirn-Kunsthalle von 1994. Goethe hat sich bekanntlich für so ziemlich alles interessiert, was die Gebildeten seiner Zeit beschäftigte, also auch für die bildenden Künste. Er hat Kunstwerke gesammelt, viel über Kunst geschrieben und selbst gezeichnet. Der Kunst wurde gerade in jener spannungsvollen Epoche um 1800 eine zentrale Funktion in der Bildung des Menschen und in der Strukturierung der Sicht auf die Welt zugeschrieben. Goethe hat die vielfältigen Diskussionen seiner Zeit zu diesem Thema aufmerksam verfolgt und an ihnen maßgeblich mitgewirkt, was dieser Band in zahlreichen Facetten beleuchtet. Da ist als zentraler Bezugspunkt der Blick auf die Antike, besonders nachdem Johann Joachim Winckelmann so vehement die Rückkehr zur griechischen "edlen Einfalt und stillen Größe" gefordert und damit dem Klassizismus den Weg bereitet hatte. Da sind die Verschränkungen zwischen Naturwissenschaften und Kunst, gerade bei Goethe von zentraler Bedeutung und an den Beispielen von Berg- und Wolkendarstellungen eindrucksvoll repräsentiert. Neben den traditionellen christlichen und mythologischen Motiven tauchen neue Bildthemen auf, etwa aus den Werken Shakespeares oder aus der mittelalterlichen Geschichte. Insgesamt ergeben sich vielfältige Bezüge zwischen bildender Kunst einerseits und den sich wandelnden, kontroversen Welt- und Menschenbildern der "Goethezeit" andererseits - nicht zuletzt auch zu explizit politischen Ideologien, welch letzterer Aspekt in diesem Band allerdings ein wenig im Hintergrund bleibt. Die bekannten Grundzüge in der Entwicklung der Goetheschen Kunstrezeption - vom Sturm- und Drangprotagonisten, der das Straßburger Münster als Ausdruck "deutscher Baukunst" preist, zum Klassizisten und Gegner der Romantiker - werden von den AutorInnen detailliert beleuchtet, in vieler Hinsicht modifiziert und in den Kontext der Zeit eingeordnet. Ob Historienmalerei oder Wolkendarstellungen: Goethe und die von ihm geschätzten Künstler wollten mit Hilfe der Kunst im Sinne des humanistischen Bildungsideals noch einmal ein ganzheitliches, in sich stimmiges Welt- und Menschenbild etablieren. Dieses war weitgehend säkularisiert: So spielte in Goethes Wertschätzung der Werke von Renaissance-Künstlern wie Raffael - im Gegensatz zu den Romantikern - deren christlicher Inhalt keine Rolle. Die Beiträge sind durchweg fundiert und lesenswert, die Bildausstattung ist ein Augenschmaus; und so ist diese preiswerte Sonderausgabe sehr zu begrüßen. Jakob Michelsen
Die Besprechung erschien am 27. Mai 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |