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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
David Quammen: Der Gesang des DodoClaassen Verlag, 913 Seiten, DM 78.00, gebundenGeneigte Leserin, geneigter Leser,Wissenschaftsliteratur ist eines der staubigsten Kapitel in der deutschen Literaturszene. Das es aber auch anders geht, zeigen uns immer wieder Veröffentlichungen aus dem anglo-amerikanischen Raum. Bekanntestes Buch auf diesem Markt ist wohl die äBibel" der Chaostheoretiker äGödel, Escher, Bach" von D. Hoffstaedter. Nun ist einem weiteren Autor ein Meisterwurf gelungen: David Quammen hat sich dem Thema der Evolution gestellt und so ganz nebenbei große Themen der Biologie bearbeitet: Biogeographie, Sterben der Arten, Entwicklung von Flora und Fauna. Quammens Aufhänger für seine Betrachtungen sind die Besonderheiten von Inseln: Es ist ein altbekanntes Faktum, daß man auf Inseln besonderen Tier- und Pflanzenarten begegnen kann. Skurrile und absurde Eigenheiten zeichnen Inseln aus. Der Dodo ist ein Beispiel für eine solche Eigenheit. Diese flugunfähige Riesentaube erlangte im 17. Jahrhundert rasch Berühmtheit. Zuerst waren es Geschichten heimkehrender Seefahrer, später lebende Exemplare dieses tolpatschigen Vogels, der auf einer Insel im Indischen Ozean entdeckt worden war, die seine kurze Berühmtheit ausmachten. Dieses Geschöpf war rundlich-dick, hatte kurze Beine, einen dicken Rumpf, winzige Flügelstummel, kurzweg: eine Karikatur eines Vogels. Da er auch noch nahrhaft war, war sein Ende schnell besiegelt, schon wenige Jahre nach seiner Entdeckung war er von holländischen Seefahrern ausgerottet, den Gesang des Dodo werden wir nicht mehr hören können. Leider war der Vogel äökologisch naiv", da er seit Jahrtausenden keine Feinde mehr gehabt hatte, so Überlebensstrategien unwichtig geworden waren und ein Großwuchs sich lohnte. Die Aufstellung von Evolutionstheorien ist nicht denkbar ohne das Studium von Inselwelten. Wie unter einem Mikroskop werden hier Veränderungen und Eingriffe schnell sichtbar. So schauten die Biologen schon immer gerne auf Inseln. Quammen hat das Verdienst, nun Beobachtungen aus der äInselbiologie" oder treffender äBiogeographie" über Jahre gesammelt und die Ergebnisse geschickt kombiniert zu haben. Dabei ist er wahrlich nicht der erste, der zu den Erkenntnissen kommt, die er uns präsentiert, er ist aber bestimmt der Autor, der am besten unterhält. Was sind das nun für Ergebnisse? Auf Inseln entstehen eigentümliche Arten, verändern sich Arten schneller als auf dem Festland. Auf Inseln gerät das natürliche Gleichgewicht schneller ins Trudeln. Auf Inseln sterben schneller Arten aus. Diese Erkenntnisse allein wären nicht so spektakulär, wenn Quammen nicht auf eindringliche Art und Weise uns klarmachen würde, daß der Mensch die Natur so zerstückelt hat, daß nur noch Naturinseln existieren (Naturschutzgebiete, Waldgebiete, die durch Straßen begrenzt werden, Seen, deren natürliche Zuflüsse gestaut werden...). Und wird uns erst einmal klar, daß die Natur auf Inseln wesentlich gefährdeter ist, als in zusammenhängenden großen Gebieten, dann wird schnell klar, daß uns eine weitestgehende Naturverarmung bevor steht. Der Autor stellt an den Anfang seines Buches auf sehr anschauliche Weise die Entwicklung der Evolutionstheorie dar, schreibt auf spannende Weise über seine eigenen Begegnungen mit der Natur, beschreibt mit Herz und Humor die Spleenigkeiten der Wissenschaftler und schafft es so, uns Leser über 900 Seiten zu fesseln und zu faszinieren. Dieses Buch wurde von der äNew York Times Book Review" zum Sachbuch des Jahres gewählt, andere Rezensenten wählten es sogar zum Buch des Jahrzehnts. Auch ich kann nur sagen: ein Buch, das restlos begeistert, besonders durch den sympathischen Schreibstil, die Anschaulichkeit und die Ruhe und Muße, die es ausstrahlt. Auf die alberne Frage, welche Bücher ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, kann ich nun antworten: äDer Gesang des Dodo"! Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 19. April 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |