Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Entdeckungen

Penelope: Lebensansichten einer gepflegten Tunte - Ein praktischer Leitfaden

Quer Verlag 1997, 143 Seiten,
diverse Schwarz/weiß-Fotos
ISBN: 3-89656-020-4, DM 29,80

"Eine Tunte, die reflektiert, ist keine Tunte!" Dieses Zitat, welches fälschlicherweise Chou-Chou de Briquette zugeschrieben wird, deshalb aber nicht minder reflektierenswert zu sein braucht, kontrastiert wunderbar mit der Ansicht der MännerschwarmSkript-Verlegerinmutter Johanna, die ihrerseits behauptet, daß wohl eher die Tucke diejenige welche sei, die nicht reflektiert.

Tja, liebe an Buchbesprechungen Interessierte, so eröffnet sich uns ein Diskurs, zu dessen Klärung wir getrost zu dem wunderbaren Buch von Penelope greifen können, das uns in neun Kapiteln Ratgeber und Leitfaden zugleich ist. Das Tuntentum wird zum Schloß, und in Form einer Führung, in deren Verlauf wir Spiegelsaal und Boudoir erkunden, entführt uns Penelope - die anderen Weltrandbewohner sanft streifend - in die bunte Tuntenwelt und ihre gepflegten Lebensansichten. Und was da zu lesen steht, dürfte nicht nur alten Häsinnen, sondern auch Frischlingen und Freundinnen von Häsinnen und Frischlingen eine oder mehrere vergnügliche Erleuchtungen bereiten. So erfahren wir unter anderem Fundiertes über Mimikry und Ironie, Blumenkauf und das Ei des Kolumbus, Wissenswertes zu den Themen Kochen, Selbstverteidigung und Körperpflege und Erstaunliches zur Hetenhölle.

Die Frage nach dem gepflegten Tuntentum wird philosophisch erforscht, wobei Dinge wie Gott und Denker wie Aristoteles und Augustinus herangezogen werden, um diese brennende Frage mit viel Witz und Charme in einem kaleidoskopartigen Regenbogen vor unseren lesenden und staunenden Augen aufzufächern. Auch wird geklärt, woher der Tuntenhaß kommt, und vielleicht sind auch Sie überrascht, zu entdecken, worin Ihre Abneigung gegen Geranien begründet sein mag.

Ja, dieses Buch besticht durch kompetente Informationen und viel wimpernklimpernde Weisheit, und das Schöne daran ist, daß es ohne Zeigefinger auskommt und kurzweilige Nachmittage in Cafés und auf Balkonen bescheren kann. Einzig der Ansicht zur Verteilung von hellem Lidschatten auf dem Augenlid möchte ich mich nicht anschließen, aber da sind wir ja alle etwas eigen. Im Gegensatz zum Besprechen von Warzen, deren Zweck es ist, daß das Besprochene verschwinde, wünsche ich mir vielmehr, daß mit dieser Buchbesprechung viele Menschen ermuntert werden, ihren Horizont zu erweitern und zu diesem Buche greifen, auch wenn es im Fifty-Fifty Quer Verlag erschienen ist. Schließen möchte ich mit einem Zitat aus dem "Salon"-Kapitel: "Wenn Sie gefragt werden, wozu ‘das alles' eigentlich gut ist, [...] so antworten Sie am besten: être. Dazu können Sie lächeln oder ein ernstes Gesicht machen."

Blessless Mahoney

Penelope: Lebensansichten einer gepflegten Tunte
Querverlag 1997, 141 S.
ISBN 3-89656-020-4, DM 29,80

Die Besprechung erschien am 20. Juni 1998

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