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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Boris Nossik: NabokovAufbau Taschenbuch Verlag, 464 Seiten, DM 24.90 Geneigte Leserin, geneigter Leser,ist er nicht einer der Besten? Für mich ist er vielleicht der Beste des Jahrhunderts: Vladimir Nabokov, der russische Literat, der auf seinem Lebensweg in Deutschland, Frankreich, den USA und in der Schweiz lebte, dabei seine russischen Wurzeln nie vergaß und somit einer der internationalsten und europäischsten Schriftstellern überhaupt ist. Zu seiner geographischen Vielfalt kommt die biographisch bedingte Liberalität, und bitte verstehen Sie dieses Wort in seiner besten Bedeutung. Nabokov stammt aus der alten russischen Ober- und Adelsschicht, seine Vorfahren, insbesondere sein Vater waren aber die führenden Demokraten in Russland, es gab diverse Linke und, zu meiner Überraschung doch eine ganze Menge Schwule in der Familie Nabokov. Sein literarisches uvre ist einzigartig: Seien es seine immer auch biographisch angehauchten Romane (Ada oder das Verlangen, Pnin, Dame-Bube-König, etc.) oder auch seine großartigen Kurzgeschichten (wer hat schon eine bezaubernde Geschichte aus der Sicht eines siamesischen Zwillingspaares geschrieben), alles atmet eine Luft der intellektuellen Freiheit und immer weht die Ahnung des Genies in den Geschichten. Nabokov kann als eines der letzten omnipräsenten Genies unseres Jahrhunderts gelten. Was früher selbstverständlich war, nämlich das ausufernde Interesse an diversen Themen (Goethes Farblehren, die Kompositionen Friedrich des Großen), hat er in sich vereint und war auf dem Gebiet der Insektenforschung tätig und als Schmetterlingskundler sogar überragend. Klar das er neben russisch auch englisch, französisch und deutsch sprach und dies natürlich fließend. Diesem äußerst interessanten Schriftsteller ist nun die Biographie des Russen Boris Nossik gewidmet und alleine die Tatsache, daß Nossik Russe ist macht dieses Buch lesenswert, da die bisherige Nabokov-Forschung meistens Impulse aus den USA uns Europa erhalten hatte, nun meldet sich eine weitere Stimme zu Nabokov. Und er acht es hervorragend: Einerseits gibt er mit einer gewissen Nonchalance der voyeuristischen Seele einen Einblick in die Zeit, das Leben des Menschen Nabokov, wir erfahren von seinen ersten Liebschaften, seiner Stellung in der Familie, seinen Ausbildungsweg. Andererseits erfahren wir essentielle Details seines künstlerischen Werdegangs. Und so wie eine Mensch nie ohne die Geschichte seiner Zeit zu bewerten ist, so ist auch in diesem Falle diese Mischung aus Gesellschaftsbericht und wissenschaftlicher Betrachtung bemerkenswert interessant. Daß es Nossik dabei gelungen ist in seiner Verehrung für den Literaten auch kritische Töne zu verpacken, ist ihm hoch anzurechnen, er wurde vom Mythos nicht erschlagen. yDieses Buch ist mehr, als nur eine Biographie eines Schriftstellers, dieses Buch ist eine der spannendsten Lebensgeschichten unseres Jahrhunderts, an der sich die ganze Crux, aber auch die Chancen für das kommende Jahrhundert zeigen. Und so kann die Aufforderung nach umfassender liberal-humanistischer Bildung, der Wunsch nach einer Langsamkeit und nach Reifung des Menschen, die Hinweise zur Besonnenheit und Souveränität, in einer immer schneller und hysterisch werdenden Welt Auswege und Alternativen aufzeigen. Ach, wären wir alle nur ein bißchen mehr Nabokov.... Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 27. Mai 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |