Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Stephan Niederwieser: Das einzige was zählt

Quer Verlag, 255 Seiten, Hardcover,
DM 34.-, erschienen 1999
ISBN-Nr.: 3-89656-039-5

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

"An einem Mittwoch im September" war der furiose Erstlingsroman von Niederwieser, der auch hier besprochen wurde. Was war ich begeistert! Lediglich die Ring-Parabel wirkte ein wenig gewollt, aber das tat dem Buch keinen Abbruch. Begeistert hatte mich die Sprache und die wundervollen Bilder, die er benutzte. So war ich doch sehr gespannt auf sein Nachfolgewerk.

Kurz zur Story: Max ist ein erfolgreicher Drehbuchautor populärer Soaps. Er ist latent bindungsunfähig, sein Leben kreist nur um Sex - Ein typischer Schwuler. Dieses Leben ändert sich schlagartig, als sein schwuler Nachbar Christian, den er seit Jahren durch das Fenster beobachtet ins Krankenhaus eingeliefert wird. Max bringt ihm sein verlorenes Portemonnaie ins Krankenhaus und so lernen sich die beiden endlich kennen. Es entwickelt sich Freundschaft, Zuneigung, ja Liebe zu den an AIDS erkrankten Christian.

Wieder gibt es eine Parabel: Der Drehbuchautor schreibt zusammen mit dem Nachbarn eine Geschichte einer nie gelebten Vergangenheit, da die beiden keine Zukunft haben. Und in diesen Geschichten kommen sich die Beiden nahe.

Eine großartige Idee: Da es keine Zukunft gibt, erträumen wir uns eine Vergangenheit. Gerade im Bereich der an AIDS-Erkrankten ist dies eine wundervolle Geschichte, die mich anrührt.

Nun kommt leider das große ABER: Die Ausarbeitung dieser schönen Idee ist Niederweiser nicht wirklich gelungen, zu sehr erinnert die Geschichte an die Drehbücher der Soaps, die Max in dem Roman schreibt: zu viele kleine Zufälle, zu viele Platitüden, zu viele Klischees. Das hat diese großartige Idee nicht verdient. Es hätte ein ganz großes poetisches Buch werden können, und mit der Erzählkraft von Niederwieser, wäre es bestimmt ein Bestseller auch auf dem "Heteromarkt" werden können.

So wirkt dieses Buch an vielen Stellen zu sehr gewollt, zu unflüssig, zu konstruiert. Alberne Klischees und ständige Wiederholungen lassen das eigentliche Interesse für dieses Buch schnell abkühlen.

Niederwieser kann viel mehr und so warte ich voller Spannung auf sein nächstes Werk und lese in seinem ersten Buch. Dieses aber lege ich zur Seite.

Didine van der Platenvlotbrug

Niederwieser, Stephan: Das einzige, was zählt
Roman
Quer-Verlag 1999, 255 S.
ISBN 3-89656-039-5, DM 34,00

Die Besprechung erschien am 30. Oktober 1999

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