Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Michael Nava: Verbrannte Erde

Ariadne / Argument Verlag, 412 Seiten,
DM 36,00, ISBN-Nr.: 3-88619-940-1

Geneigte Leserinnen, geneigter Leser,

Michael Nava, der Autor von nun sechs Krimis mit dem schwulen Serienhelden Henry Rios, hat mit dem Helden seiner Bücher vieles gemeinsam. Nava ist wie Rios ein Mexican American, er ist schwul und er ist Anwalt. Nava sieht sich selbst nicht als Anwalt, der nebenbei ein paar Bücher schreibt, sondern vielmehr als ein Autor, der nebenbei als Anwalt tätig ist. Dafür hat er als Anwalt eine passable Karriere hingelegt und ist er Anwalt am California Supreme Court.

Nun legt er seinen nunmehr sechsten Krimi "Verbrannte Erde" vor. Rios, noch immer in Trauer um seinen verstorbenen Lover, verliebt sich unpassender Weise in einen den jungen Stricher den er verteidigen soll, da er angeblich auf frischer Tat bei einem Einbruch in das Haus eines Filmregisseurs ertappt wurde.

Als dieser kurze Zeit später brutal umgebracht wird, entwickelt sich aus dem zunächst harmlosen Fall ein furioses Krimispektakel, in dem ein Serienmörder, die Filmmischpoke aus Hollywood, die korrupte Polizei in Los Angeles und die SM-Szene eine spannende Rolle spielen. Nachdem ein zweiter, dritter und vierter junger Mann auf gleiche Weise sterben, muß Rios nicht nur sich selbst, sondern auch sein Leben verteidigen. Vier verschiedene Kräfte sind hier am Werk: Erpressung, Verrat, Korruption und Gewalt. Eine Mischung, bei der es auf einen toten Schwulen mehr oder weniger nicht ankommt.

Nava über sein Schreiben: "Ich stelle die Wirklichkeit in der ich in Kalifornien lebe dar: eine multi-ethnische und multi-sexuell-orientierte Wirklichkeit. Ich lebe hier in einer sehr reichen Welt, und ich versuche sie möglichst wahrheitsgetreu darzustellen. Ein möglichst genaues Bild meiner Welt zu zeichnen ist eines meiner Ziele als Autor." Und so ist es nicht ungewöhnlich, daß uns die Charaktere in seinen Büchern so real erscheinen, denn es sind die Personen aus dem realen Leben, die abseits der üblichen Klischees stehen. Lesben dürfen erfolgreiche Staatsanwältinnen sein, die einen Sohn erziehen, der alternde Journalist darf eine unerträglich zickige, verlogene Tunte sein, die man trotzdem lieben kann.

Dieser Krimi ist angefüllt mit großartig gezeichneten Charakteren, spricht eine äußerst gelungene Sprache und hat fesselnde Qualitäten, wie sie bei kaum einen anderen gay-fiction-Buch in den letzten Jahren zu lesen waren. Und es ist bis jetzt Navas bester Krimi. Nebenbei ist er auch von Stefan Haußmann wirklich gut übersetzt worden!

Lesen sie einfach ein paar Zeilen und schnell werden Sie in dieses großartig spannende Buch gezogen. Der beste schwule Krimi seit Jahren!

Didine van der Platenvlotbrug

Nava, Michael: Verbrannte Erde
Pink Plot
Argument Verlag 1999, 411 S.
ISBN 3-88619-940-1, DM 36,00

Die Besprechung erschien am 27. Mai 1999

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