Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Mariko Mori: Esoteric Cosmos

Verlag Cantz, 1999, 84 S., 41 Abb. (davon 22 farbig),
DM 49.-, ISBN 3-89322-966-3

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

immer wieder werde ich gefragt, was macht eine Tunte zur Tunte. Kaum ein anderes Buch kann so treffend Antwort auf diese schwere Frage geben, wie dieses.

Mariko Mori ist im Moment das Darling der internationalen Kunstszene. Diese junge Japanerin, die auch schon als Modell gearbeitet hat, verzückt die Welt mit retuschierten Photos und Videoinstallationen, die immer Mariko Mori und ihre Selbstinszenierungen darstellen.

Und da sind wir schon bei meiner zentralen These: Mariko Mori ist eine weibliche Tunte mit einem phantastischen PR-Apparat. Und wer Tunten kennt, wird wissen, daß diese Bemerkung zwar voller Neid, aber auf keinen Fall abwertend gemeint ist.

Was macht nun diese junge Japanerin zur Tunte? Es ist die Sicht auf sich selbst und die Welt. Ähnlich wie Tunten in ihrer Selbstinszenierung einige Teile der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Historie bevorzugt präsentieren, andere einfach negieren, so geht auch Mariko Mori mit ihrer Selbstinszenierung um. Wenn sich Tunten so häufig zu Adeligen machen oder Stars nachahmen, dann macht auch Mariko sich zu einem Star in der 3-D Fotoinstallation "Birth Of A Star". Wenn sie sich als Plastiknixe in einem künstlichen Ferien"paradies" räkelt ("Empty Dream"), ist sie der überzogen-kitschig-provokante Teil der Inszenierung, dem sonst die Tunte gleich kommt.

Ihre Inszenierungsideen sind wundervoll und äußerst gelungen umgesetzt: Da werden fotografisches und filmisches Material hemmungslos manipuliert, bis sie der Mariko-Mori-Welt entsprechen.

Großartige Inszenierungen, wie wir sie nur zu gut kennen - ein wirkliches Tuntenbuch: So very queer!

Didine van der Platenvlotbrug

Mori, Mariko: Mariko Mori. Esoteric Cosmos
Gerd Hatje Verlag 1999, 80 S.
ISBN 3-89322-966-3, DM 49,00

Die Besprechung erschien am 27. Mai 1999

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