Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Grant Michaels : Key West

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

seit einigen Jahren gehören die Krimis von Grant Michaels zu den Lieblingsbüchern der schwulen Gemeinde. Angenehm gebrochen ist der Hauptdarsteller seiner Krimis: ein plaudriger Friseur, eher Tunte als Macker, mit einer Vorliebe für rasante Biker und bester Freundin, mit der er vieles, aber nicht alles bereden kann. Also eine Schwuchtel wie Du und ich.

Nun legt der Rotbuch Verlag den neuesten der Krimis von Michaels vor: "Key West". Und in bester Manier ermittelt unser Friseur auch in seinem Urlaub, den er bitternötig hat: Sein Lover ist bei einem Autounfall gestorben. Durch dessen Lebensversicherung zu Geld gekommen, versucht Stan Kraychic seine Seelenwunden auf Key West zu heilen, aber wie es das Schicksal will, er tappt mitten in eine Mordserie. Irgendwie scheint die halbe Stadt verdächtig zu sein: die etwas verlebte Clubsängerin, der Pseudo-Hetero, die Star-Anwältin, die Transe, der schicke Stricher. Klar, daß er auch diesmal sich nicht mit billigen Antworten abspeisen läßt und einen regelrechten Skandal aufdeckt.

Dieses fünfte Buch krankt ein wenig. Schöne Sprache und Routine verdecken nicht die inhaltlichen Schwächen: etwas zu platte Psychologie, ungeklärte Handlungsstränge, man fragt sich, warum Stan nicht mehr über den Tod seines Lovers trauert, warum der böse Deutsche Adolf Dobermann (!) heißen muß. Trotzdem ist dieser Krimi einer der besseren auf dem schwulen Krimimarkt. Und für Stan Kraychic-Fans soundso ein Muß.

Didine van der Platenvlotbrug

Michaels, Grant: Key West
Rotbuch Verlag 1998, 342 S.
ISBN 3-88022-683-0, DM 19,90

Die Besprechung erschien am 24. November 1998

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