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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Mark Holborn und Dimitri Levas (Hrsg.): Robert Mapplethorpe - MonographieSchirmer/Mosel Verlag, 384 Seiten, DM 128.-,gebunden, 260 Photographien, mit einem Essay von Arthur C. Danto ISBN.: 3-88814-489-2 Geneigte Leserin, geneigter Leser,es ist schon auffällig, daß die Kunstszene Mapplethorpe nie als "Schwuchtel" in die Ecke gestellt und seine oft bis an die Schmerzgrenze des Spießerherzens gehenden Photographien verteufelt hat. Denn eigentlich lagen die Voraussetzungen für eine Verbannung aus der Kunstszene auf der Hand: Photos über Sex und S/M, die auch noch ästhetisch photographiert worden waren, Photos von nackten Kindern, Photos seiner eigenen Lust. Es gab massive Zensurversuche von Seiten der politischen Öffentlichkeit in den USA. In dem sehr gut geschriebenen Essay von Arthur C. Danto erfahren wir gute Gründe für die Wertschätzung der Arbeit Mapplethorpes: Als wichtigstes Element seiner Photos sah Mapplethorpe immer das Einverständnis zwischen dem "Objekt" und dem Photographen. Und dieses Einverständnis macht Mapplethorpe immer zum Teil des Photos. Auch seine intimsten Photos von nackten Körpern, Bondage- und S/M-Szenen, Pißspielen und Ledermännern zeugen von einem positiven Selbstverständnis, das da lautet: Ja, ich will, daß ich so photographiert werde. Und so wirken einige der Werke fast schon banal, wenn sich ein S/M-Pärchen in Ketten im eigenen Wohnzimmer präsentiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt man das gemäldeartige Arrangement, das in dem Essay mit dem Bildaufbau malender Künstler verglichen wird, so z. B. Tizian. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Poesie in den Werken Mapplethorpes: Durch die Ästhetisierung, die in vielen Fällen an die Filmstar-Photographie der dreißiger Jahre erinnert, gelingt Mapplethorpe ein Dialog der Schönheit, so zum Beispiel, wenn er Blumen- und Früchtearrangements mit Photos von Körpern kontrastiert. Die Aussage "Alles Körperliche ist schön" wird zum Konzept. Dieser vorliegende Band ist eine wunderschöne Monographie, die zu einem erstaunlich günstigen Preis einen großartigen Einblick in die Arbeit Mapplethorpes bietet. Die Herausgeber haben aus den schon bekannten Veröffentlichungen zu den Themen schwarzer Akt, Portraits und Blumen die zentralen Photos genommen und diesen weitere, zum Teil bisher unveröffentlichte hinzugefügt. Und so entsteht eine Symphonie der Eindrücke, wie Mapplethorpe sie sah: Amerika, Katholizismus, Sexualität, Gewalt, Tod. Dabei hat er immer den ihm eigenen Blick, der ästhetisiert und damit oft auch abstrahiert: Da wird die amerikanische Marinefregatte im Nebel zu einem äußerst ästhetischen Aufruf gegen das Militär und gegen Gewalt. So wird Mapplethorpe auch zu einem besonderen zoon politicon, nämlich das politische Wesen, das seine Stimme erhebt und Stellung bezieht. Seine Art der Photographie ist politisch. Der Verlag Schirmer/Mosel hat sich entschlossen, dieses wichtigste Standardwerk zu Mapplethorpe zu einem sehr günstigen Preis anzubieten. Dies verdient Erwähnung in einer Zeit, in der Bücher an sich schon immer teurer werden und gerade auf dem Kunstbuchmarkt neue preisliche Bastionen erobert wurden. Lassen Sie sich wieder neu begeistern von diesem Ausnahmekünstler. Und wenn Sie in meine anderen Rezensionen ‘reinschauen, werden Sie ein Netzwerk schwuler Künstler entdecken, die sich gegenseitig beeinflußt haben und auch Freunde waren: Robert Mapplethorpe, Andy Warhol, Tom of Finland. Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 30. Januar 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |