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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Else Lasker-Schüler: Die Gedichtesuhrkamp taschenbuch Verlag 1997, 439 Seiten,ISBN: 3-518-39290-5, DM 24,80 Geneigte Leserin, geneigter Leser,ich mag keine Lyrik. Gedichte passen vielleicht noch zu Goethe, aber ansonsten ist das Gefühlsduselei, die keinem etwas bringt. Insbesondere die "moderne Lyrik" so ungefähr ab den 60ern dieses Jahrhunderts ist grauenhaft. Immer wieder frage ich mich, wie umnachtet Lektoren sein müssen, die die aktuellen Lyrikbände zusammenstellen. Nun habe ich von Frau Lasker-Schüler bisher nur Gutes gehört, und vielleicht ist sie ja gar nicht so schlecht. Sie schrieb um die Jahrhundertwende und danach Romane, Theaterstücke und eben auch Gedichte. Schon bei der Jahreszahl macht sich leichtes Unbehagen breit: Entweder handelt es sich um Gedichte über den leidenden Arbeiter in einer ungerechten Welt (gähn) oder um ekelerregende deutschtümelnde Nationallyrik. Aber welch Überraschung: Diese Gedichte wirken so klein und bescheiden und werden durch das galanteste Umgehen mit Sprache zu Meisterwerken. Kein Kitsch, oft mit herzlicher Ironie gespickt, so erfreuen Gedichte. Oder aber sie bewegen tief. Frau Lasker-Schüler ist eine der entzückendsten Wiederentdeckungen, über sie schreibt Gottfried Benn: "Das war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte... Ihre Themen waren vielfach jüdisch, ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes Deutsch, eine Sprache reif und süß..." Lesen Sie diese großen, kleinen, bewegenden, humoristischen Gedichte! Sie verdienen es.
Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 20. Juni 1998 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |