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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Charles Harrison, Paul Wood, Sebastian Zeidler (Hrg.): Kunsttheorie im 20. Jahrhundert - Künstlerschriften, Kunstkritik, Kunstphilosophie, Manifeste, Statements, InterviewsHatje Cantz Verlag, 2 Bände im Schuber,
Geneigte Leserin, geneigter Leser,es grenzt schon fast an Anmaßung, eine gültige Schrift zur Kunsttheorie im 20. Jahrhundert zu verfassen, denn zu unterschiedlich, zu vielfältig, zu widersprüchlich waren die Entwicklungen in diesem Jahrhundert. Um so wichtiger ist es nun an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend einen Blick zurück zu werfen und die Vielfalt der künstlerischen Entwicklungen und Ausdrucksweisen zu beschreiben. Ein enzyklopädisches Resümee der modernen Kunsttheorie in Europa und Amerika will dieses Buch sein, doch es ist so vieles mehr. Denn äußerst geschickt waren Charles Harrison und Paul Wood und bei der deutschen Ausgabe Sebastian Zeidler, die die Zeiten und Bewegungen für sich sprechen lassen, weniger der Gedanke des Erklärenden, als der des Beschreibenden. Und so kommen in den 400 Beiträgen Künstler, Kunsttheoretiker, Philosophen, Soziologen, Politiker und Schriftsteller auf höchst unterschiedliche Art zu Worte: in Manifesten, Aufsätzen, Briefen, Essays, Buchkapiteln, Vorträgen oder auch in Interviews. So werden viele fremdsprachige Texte zum ersten Mal in deutscher Sprache veröffentlicht. Der erste Band bewegt sich im Spannungsfeld Symbolismus - Modernismus - Rationalismus. Der zweite Band bearbeitet die Postmoderne und ihre Vorläufer. Aber die Texte sind weit mehr als nur die Erklärungen einzelner Phänomene in der Kunst, sie sind immer auch Spiegel ihrer Zeit und bilden die Haltung der Autoren wieder. So bekommt dieses Buch neben der ersten Ebene der einzelnen Texte die weitere Ebene der Texte in ihrer Zeit. Keine neue Idee, aber in diesem Buch grandios und kompetent umgesetzt. Und so empfiehlt sich dieser auf den ersten Blick etwas wuchtige Band als mehr als nur Nachschlagewerk, auch für den (kunst-)historisch Interessierten, an den literarisch Interessierten wendet sich dieses Buch und macht es zu einem dieser Schmöker, die immer wieder gerne in die Hand genommen werden, um sich mit Muße mit einer Idee oder einem Autor oder einem Künstler zu beschäftigen. Das besondere an dieser einzigartigen Enzyklopädie ist ihre Lesbarkeit. Für mich ein enorm wichtiges Buch... Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 20. Juni 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |