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Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Rainald Goetz: Jeff KoonsGeneigte Leserin, geneigter Leser,diverse Romane hat Rainald Goetz seit den frühen Achtzigern geschrieben und kann noch immer als die Hoffnung der deutschen Literatur gelten. Seine Ausnahmestellung als Zerstörer und Erneuerer der Literatur unterstreicht er mit seinem aktuellen Zyklus, den er durchnumeriert hat. "5.1 Rave" und "5.4.3 Praxis" sind schon erschienen, und der vorliegende Band "Jeff Koons" gilt als "5.2 Heute". Normalerweise habe ich für die neuen Schriftsteller nicht viel übrig: viel zu prätentiös, aufgesetzt und unsensibel versuchen sie sich an einer neuen Sicht der Dinge und bemerken selber nicht, wie peinlich infantil sie oft dabei wirken. Ganz anders Rainald Goetz. Dieser Autor schreibt aus einem fundierten Wissen heraus: Wenn er in seinem Roman "Irre" über die Psychiatrie in Deutschland, über den Wahnsinn des Wahnsinns schreibt, so spürt man eine aufwühlende, erregende Authentizität. Ähnlich "Jeff Koons", ein Buch, das einfach aus dem Leben gegriffen scheint. Ohne größere Einzelhandlungen ist das Buch selbst die einzelne Handlung: Blicke auf das Leben, auf Sex, auf das Sein. Blicke in eine Vernissage, die durch einen inszenierten Skin-Überfall an Spannung, nicht aber an Inhalt gewinnt, das Leben eines Künstlers, kurze Blicke auf Penner, alles sehr zerfetzt. Auch die Sprache tut ihr übriges: Geschrieben zum größten Teil in Sprachfetzen, die auf kaum als Poetik verstanden werden könnten, zum kleineren Teil in atemlosen Satzketten, unterstützt sie den Inhalt. Überschrieben ist das Buch mit dem Wort "Stück" und ist in Akte und Pausen eingeteilt, und tatsächlich besticht der Text durch großartige Sprachbilder, spannend-kurze Detailbeschreibungen, dabei er erinnert eher an die Ästhetik der Musikvideos als an behäbiges Theater. Immer wieder reißt mich Herr Goetz zu Begeisterungsstürmen hin: Er ist der Beste unter den Neuen! Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 24. November 1998 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |