Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Dominique Fernandez: Die Rache des Medici

Piper Verlag, 334 Seiten, DM 16.90, Taschenbuch
ISBN: 3-492-22497-0

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

dieser Roman ist ein beeindruckendes historisches Gemälde, das das Leben des letzten der Medici ,Gian Gastone (1671 - 1737), beschreibt. Über ihn gibt es wenige historische Quellen, und somit ist wohl das meiste an diesem Buch reine Erfindung. Andererseits, das wenige, das wir über diesen Menschen wissen, ist so überraschend, daß es nach einer Bearbeitung als Roman geradezu schreit.

Daran hat sich der Franzose Dominique Fernandez gemacht, der in wundervollem Stil die Lebensgeschichte Gastones aus der Sicht seines Leibarztes erzählen läßt.

Gastone inszenierte Orgien im Palazzo der Medici und förderte die Prostitution auf öffentlichen Plätzen, verfallen aber war er dem Gossenjungen Damiano, von dem er sich Zeit seines Lebens sexuell erniedrigen ließ. Dieser stellte eine ganze Armee von Strichern, die äruspanti", die dem Vergnügen des Medici dienen sollten, auf.

Gastones Leben beginnt als begabter dritter Nachkomme des Medici Cosimo III., der eigentlich sorgenfrei in die Welt leben kann. Lediglich sein Hang zur Völlerei und Genußsucht fallen auf. Schon jung verliebt er sich in Damiano, der ihn in den Bann des Niederen schlägt. Gastone entwickelt eine Suche nach dem Niedrigsten, Ekelerregendsten und Unpassendsten. So treibt er sich in seiner Sucht nach Erniedrigung zwischen Strichern und Ganoven herum und ist in den Bann geschlagen von Darstellungen der widerlichsten Seuchen und Krankheiten.

Ein spannendes Portrait ist es geworden, ein Portrait, das fasziniert und abschreckt, berührt und ekelt. Und spannend genug: Schon immer gab es im Leben einiger Zeitgenossen die Suche nach Erniedrigung und sexueller Pein. Die Spielarten der Sexualität, die wir heute schick als äS/M" bezeichnen, ist keine Erfindung dieses Jahrhunderts, wobei die Bezeichhnung äS/M" hier natürlich historisch völlig unpassend ist.

Auch wenn die Geschichte aus der ätadelnden" Sichtweise des Leibarztes erzählt wird, schafft es Fernandez, diesen Menschen nicht zu verurteilen: Weder seine Sexualität mit Männern noch seine masochistischen Seiten werden verurteilt, eher das mangelnde Geschick und Interesse an Staatsgeschäften.

Ein wirklich gut erzähltes, spannendes Buch, das gerade unseren S/M-Schwestern gefallen kann....

Didine van der Platenvlotbrug

Fernandez, Dominique: Die Rache des Medici
Roman
Piper Verlag 1998, 334 S.
ISBN 3-492-22497-0, DM 16,90

Die Besprechung erschien am 19. April 1999

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