Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen

Jonathan Coe: Das Haus des Schlafes

Piper Verlag, 396 Seiten, DM 44.00, Hardcover
ISBN: 3-492-03989-8

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

es gibt Bücher, die lassen mich doch recht ratlos zurück, so auch dieses. Kurz zur Story: Wir befinden uns am Anfang der achtziger Jahre. In einem ehemaligen Schloß auf einer meerumtosten Landzunge wurde ein Studentenwohnheim eingerichtet. Hier treffen Sarah, Veronica, Gregory, Terry und Robert aufeinander. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die den unsterblich verliebten Robert in die Krise bringt. Gregory ist Sarahs Ex, der mit seiner ungewöhnlichen Faszination an den Schlafgewohnheiten Sarahs die Beziehung zerstörte. Terry ist der intellektuelle Beobachter, der sich für absurde Filmthemen interessiert.

Zwölf Jahre später: Die ehemaligen Freunde hatten sich nach der Beendigung ihrer Studien schnell aus den Augen verloren, und nun bringt das Schicksal alle auf unterschiedlichste Art und Weise wieder in diesem Schloß zusammen. Inzwischen wurde hier eine psychiatrische Klinik zur Heilung von Schlafstörungen eingerichtet.

Alle ehemaligen Studienkollegen haben in irgendeiner Weise mit dem Thema Schlaf zu tun: da ist Sarah, die spontan in Traumzustände gerät und so oft Traum und Wirklichkeit nicht auseinanderhalten kann, Terry ist nun ein berühmter zynischer Filmkritiker, der seit Jahren nicht mehr geschlafen hat. Der exzentrische Leiter der Schlafklinik, Dr. Dudden, ist begeistert von diesen Forschungsobjekten.

Der Autor hat versucht einen Roman zu konstruieren und diese zum Schluß etwas schwerfällige Konstruktion mit einer flotten Schreibe zu bereichern. Und so liest sich dieses Buch sehr gut weg, es macht richtig Spaß, den Konstruktionslinien des Autors zu folgen und sich auf die Suche nach weiteren Zusammenhängen zu machen. Der Stil ist angenehm zu lesen und das Thema Schlaf und Psychologie begeistert. Dieses Buch über den Schlaf hat mich um den Schlaf gebracht, es ist wirklich spannend!

Zum Schluß biegt der Autor allerdings die Konstruktion so sehr wieder zurecht, daß es doch schwerfällig wirkt. Um im Kontext der Geschichte zu bleiben, müssen sich Menschen einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, ein Kunstgriff, der auf wenigen Seiten etwas platt beschrieben wird.

Ja, der Autor ist ein Mann, und so überrascht es nicht, daß der verliebte Robert in den achtziger Jahren furchtbar unter der lesbischen Beziehung seiner Angebeteten leidet. Lobenswert wiederum, daß der Autor die lesbische Beziehung nicht unangenehm ausschlachtet. Leider bietet er zu platte psychologische Erklärungen für die lesbische Seite an der Hauptdarstellerin.

Dennoch handelt es sich um ein Buch, daß wirklich auf den allermeisten Seiten sehr viel Spaß bringt. Es ist ein großartiger, farbenreich komponierter Roman, der durch Stil, Themenwahl und Ausführung fasziniert. Lohnt sich!

Didine van der Platenvlotbrug

Coe, Jonathan: Das Haus des Schlafes
Piper Verlag 1998, 396 S.
ISBN 3-492-03989-8, DM 44,00

Die Besprechung erschien am 19. April 1999

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