|
Die Buchbesprechung von Didine und KollegInnen
Bruce Brenderson: James BidgoodTaschen Verlag, 175 Seiten, Hardcover, Silberschnitt,
Geneigte Leserin, geneigter Leser,die Kunst des Kitsch, "Camp", hat mit den Photographen Pierre und Gilles seit den achtziger Jahren wieder einen sensationellen Aufschwung genommen. In diversen Designer-Läden stehen alle Scheußlichkeiten der letzten Jahre vereint und sind einfach camp. Wir wollen an dieser Stelle nicht diskutieren, ob es eine homosexuelle oder schwule Kunst per se gibt. Ich glaube ja schon. Denn schon immer gab es die Tendenz zum Exaltierten und zum Übertriebenen (im Vergleich zur heterosexuellen Norm). Wenn die heterosexuelle Majorität in einigen kurzen Situationen sich dieser außergewöhnlichen Ideen bemächtigte wurden daraus sensationelle Werke geboren ("Die Frauen" oder die großen Revuen der dreißiger und vierziger Jahre in den USA). Trotzdem haftete dieser Hang zum camp eher wie ein Stigma an den Homosexuellen und wurde von den Heterosexuellen eher belächelt oder gar verworfen. James Bidgood war einer der Ersten, die diese Form des camp zu einer Kunstform entwickelten. Er war eine wundervolle Tunte in New York, die ihr kleines Appartement in eine grelle Dauerinszenierung verwandelte und dort die nun wieder entdeckten Photos machte, die als originär angesehen werden können. Die Motive pendeln zwischen optischer Überhöhung und billigem Porno. Oftmals eher lustlose Knaben stehen in überschrillen Umgebungen, eine schräge Kombination. Träume unschuldiger Knabenliebe werden da neben "obszön-billigen" Sexphantasien gezeigt. Und dies macht wohl die außergewöhnliche Größe Bidgoods aus: Er war der Schöpfer dieser Photographie, die flimmernd zwischen Porno und Kunst schwebt. Er hat damit Künstlern, wie Mapplethorpe, Warhol oder Tim of Finland den Weg geebnet. James Bidgood lebt heute von Krankheiten gezeichnet, von Sozialhilfe lebend in einem der Armenghettos in New York Besonderen Dank ist an den Taschenverlag zu richten, der es geschafft hat, diese Bilder der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. In der furiosen Ausstattung des Buches spiegelt sich die Liebe zu dem Werk wieder - Vielen Dank ! Didine van der Platenvlotbrug
Die Besprechung erschien am 28. August 1999 Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Schreiben Sie an Didine van der Platenvlotbrug © 1998, 1999 by Didine van der Platenvlotbrug |